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Pegida Studie die Zweite

Es ist wieder Montag, es gibt wieder eine Pegida Studie, u. a. vom Verein für „Protest- und Bewegungsforschung e. V.“, der Friedrich Ebert Stiftung u. a. In dieser Studie wird offensiver mit den (geringen) Rückläuferzahlen als bei der letzten Studie umgegangen (dort stand nur am Rande dass es wenig Beteiligung gab).
Ein bisschen unglücklich m. E. ist die Blau-Grau gehaltene Farbgebung, dadurch fällt es sehr schwer die Legendenbeschriftung den Säulen/Stücken in den Diagrammen zuzuordnen, alles in allem aber ok. Auch wurden am Anfang ganz offensichtlich Jahreszahlen vertauscht (2013 statt 2003 und 2014 statt 2004 (Irakkrieg und Hartz IV Proteste).

Beim Bildungsniveau kommt die Studie zu ähnlichen Ergebnissen wie die vorhergehende der TU Dresden.
Erschreckend hoch ist das Potential der AfD Wähler (wenn Sonntag Wahl wäre, würden 89% der Befragten (die geantwortet haben) AfD wählen). Oh Gruselgraus!
Alle Dokumente (Fragebogen, Bericht, Handout) der Studie gibt es auf den Seiten vom protestinstitut.eu .

via: FAZ

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Johannes Lichdi über Pegida: Dresden ist ein „borniertes und engherziges Provinznest“

Johannes Lichdi sucht hier zu erklären, warum Pegida vor allem in Dresden so stark ist. Money Quote:

Aber warum gerade Dresden? Eben das Dresden, dass jahrelang dem größten Naziaufmarsch Europas zusah? Das Dresden, dass lieber eine Brücke baute, als Welterbe zu bleiben? Und auch das Dresden, in dem eine Staatsanwaltschaft Videos manipuliert, um politisch erwünschte Verurteilungen hinzubiegen? Vielleicht findet die rechtspopulistische Massenbewegung gerade in Dresden ihren Ort, weil die sächsische Landeshauptstadt schon immer die notwendige Klarheit gescheut hat. Die Oberbürgermeisterin und der Ministerpräsident haben die Pegidisten zur Großdemonstration am vergangenen Samstag ja ausdrücklich eingeladen. Pegidisten-Versteher beherrschen rundum das mediale Feld. Sie sorgen sich mehr über eine Ausgrenzung der Pegidisten als deren Angriff auf die weltoffene demokratische Gesellschaft oder gar das Schicksal der Flüchtlinge in Dresden. Sie stehen in der Tradition einer autoritären und fremdenfeindlichen gesellschaftlichen Stimmungslage, auf die die CDU seit 1990 ihre Herrschaft baut.

via: Der Tagesspiegel

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Wer geht zu Pegida und warum?

Update: Wie Fefe ganz richtig anmerkte:

Allerdings ist diese Statistik auch ein gutes Beispiel dafür, wieso man Statistiken nicht trauen darf. Denn sie haben 400 Leute befragt und 65% haben die Teilnahme abgelehnt. Die Aussagen beziehen sich also nicht auf „die Pegida-Leute“ sondern „die Pegida-Leute, die sich haben befragen lassen, was eine Minderheit war“. Und die nächste Frage ist natürlich, wie repräsentativ die Auswahl der Befragten war, und wie repräsentativ die Verteilung derer ist, die sich haben befragen lassen. Vielleicht haben nur die gebildeten Atheisten mit Job geantwortet und der Rest entsprechen doch den Vorurteilen. Man weiß es nicht.

Ende Update

Prof. Dr. Hans Vorländer von der TU Dresden hat jetzt eine Studie vorgestellt, in der die Motivationen der Pegida Teilnehmer untersucht werden.

[…] Der „typische“ PEGIDA-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48 Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine Parteiverbundenheit auf und stammt aus Dresden oder Sachsen. […]

Zusammengefasst heißt es:

[…] Auch wenn sich PEGIDA dem Namen nach gegen die Islamisierung des Abendlandes wendet, sind die Kundgebungen für die Mehrheit der Teilnehmer in erster Linie eine Möglichkeit, tief empfundene, bisher nicht öffentlich artikulierte Ressentiments gegenüber politischer und meinungsbildender Elite zum Ausdruck zu bringen. Diese Gegenüberstellung von „Die da oben“ und „Wir hier unten“ in Kombination mit fremdenfeindlichen Einstellungen wird traditionell zum rhetorischen Arsenal rechtspopulistischer Strömungen gerechnet. […]

via: Netz gegen Nazis

54% sind mit der Politik unzufrieden, 62% sehen sich mit keiner Partei verbunden – dann folgen auf den Plätzen 2 und 3 AfD (17%) und CDU (9%). Oha, ich hoffe mal nicht dass die alle von rechten Parteien eingefangen werden.

Bleibt jetzt noch die Frage, ab wann etwas „rechts“ ist. 77% der Befragten obiger Studie geben an, nicht wegen „Islam, Islamisierung, Islamismus“ auf der Straße zu sein. Warum laufen sie dann einem „[x]Gi[x]“ Banner hinterher (Gi: Gegen die Islamisierung)?

Ich möchte noch die Studie „Die stabilisierte Mitte – rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014“ hier verlinken. In dieser wird die rechtsextreme Einstellung der Gesellschaft untersucht und differenziert zwischen Bildungsgrad, Parteien etc. pp. So wird in der Studie „Abitur“ als Bildungsgrad genannt:

Befragte mit Abitur stimmen allen Dimensionen des Rechtsextremismus-Fragebogens signifikant seltener zu als Personen mit einem niedrigeren formalen Bildungsabschluss. Der Effekt der Bildung ist deutlich: beispielsweise sind 6,8 Prozent der Menschen mit Abitur, aber 20,8 Prozent ohne Abitur ausländerfeindlich eingestellt.

Laut der TU Dresden Studie zur Zusammensetzung der Pegida Bewegung sind dort ein Großteil Arbeiter – ein typischer Lehrberuf, bei dem (zumindest früher) kein Abitur vorrausgesetzt wurde. Dies lässt sich _nicht_ mit der Studie belegen, dort ist von „Arbeitern/Angestellten“ die Rede, auch widerspricht dies dem einleitenden Zitat mit den „gut ausgebildeten“ Pegida Demonstranten. Allerdings haben laut Studie die meisten Teilnehmenden als höchsten Abschluss „Realschulabschluss“ angeben.

Vermutlich ist aber das wirklich größte Problem im Zusammenhang mit Pegida aber momentan die Ablehnung und Unzufriedenheit der Teilnehmenden mit der Politik und die Skepsis gegenüber Medien. Gepaart mit dem latent vorhandenem rassistischen Gedankengut existiert hier eine „Nichtmiteinanderreden“-Atmosphäre, die von keinem durchbrochen werden wird so schnell:
– Gegendemonstranten: Mit Rechten reden wir nicht!
– Pegida: Mit „den anderen“* reden wir nicht.

Mal schauen wie das Phänomen Pegida weitergeht…

* zum Beispiel Günther Jauch, etc. Aber das wird sich ja evtl. bald mal ändern.

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[Update] Willkommen zurück in den Neunzigern

Ende der achtziger Jahre gab es, angestoßen von einer Asylkampagne der CSU, ein erstarken der rechten Parteien, u. a. die Republikaner erzielten einige Wahlerfolge. Die Bundeszentrale für Politische Bildung schreibt:

Nach 1983 waren die Themen Asyl und Ausländer zunächst nur noch Gegenstand der ständigen Auseinandersetzungen zwischen den profilierungsbedürftigen Koalitionspartnern FDP und CSU. Dies änderte sich erst im Sommer 1986, als die CSU vor den bayerischen Landtagswahlen eine Asylkampagne entfachte, in deren Gefolge die Republikaner ihren ersten Wahlerfolg hatten. Nachdem CDU und CSU anschließend noch mehrmals das Asylproblem thematisierten, ohne andererseits Entscheidendes zu ändern, profitierten rechtsradikale Parteien 1988/89 in mehreren Wahlen von diesen Kampagnen: die Republikaner in Berlin, die NPD in Frankfurt und schließlich erneut die Republikaner bei den Europawahlen.

Dieser Rechsruck wird momentan von einer breiteren Masse der Bevölkerung direkt unterstützt bzw. zumindest stillschweigend hingenommen und befürwortet, wodurch sich unsere „Volksparteien“, anstatt den rassistischen Forderungen von Pegida entschieden entgegenzutreten, von den rechten Parteien vor sich hertreiben lassen und in die Debatte einsteigen, ob es den Flüchtlingen hier nicht doch noch zu gut geht.
Fuck you!
Geflüchtete Menschen lassen _alles_ hinter sich um irgendwo auf der Welt einen Neuanfang zu schaffen und für diese verspricht selbst das wenige was wir ihnen bieten eine Verbesserung der Lebendsbedingungen.
Die Debatte die man aber eigtl. anstoßen sollte ist, wie wenig unsere Sozialsysteme, gesundheitlichen- sowie Rentenabsicherungen immer weiter abgebaut werden und dadurch ein immer größere Teil der Bevölkerung an den Rand der Gesellschaft gedrängt und in prekäre Arbeitsplatz abhängigkeiten getrieben werden während ein kleiner, der reichste Teil, der Gesellschaft immer besser davon leben kann, gar nicht selber arbeiten zu gehen, sondern ihr Vermögen für sie arbeiten lassen: D. h. das wieder mehr Menschen in prekäre Arbeitssituationen gedrängt werden um Zinsen und Renditen zu erwirtschaften. Und wie das am Ende aussieht, sieht man in den USA: Eine komplett entsolidarisierte Gesellschaft.

Mehr zum Vergleich der aktuellen Situation mit den 90ern findet sich bei Metronaut, die den Artikel treffend zusammenfassen:

Wer Verständnis für die “Sorgen” und Positionen der Pegida-Rassisten äußert, sie umgarnt oder zu Runden Tischen einlädt, ihnen medial Raum und Relevanz für ihre Positionen gibt oder ihre Positionen aufnimmt, vertritt und weiterträgt, der reicht denjenigen bewusst oder unbewusst ein Feuerzeug, die Asylbewerberunterkünfte abfackeln wollen.

Wenn wir als Gesellschaft nicht die Pogromstimmung der frühen Neunziger Jahre wiederholen wollen, ist es jetzt höchste Zeit gegenzusteuern.

[Update 03.01.2015]:
Die aktuelle Wrint Folge 378 beschäftigt sich mit Pegida. Hörempfehlung!
[/Update]

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