Tagesarchiv: Dezember 19, 2010

Was ist eigentlich Wikileaks?

Wikileaks ist momentan in aller Munde – in der konservativen amerikanischen Presse wird es auf das schärfste verurteilt und die Todesstrafe für Julian Assange – den Gründer von Wikileaks – gefordert. Und man will ihn ausliefern lassen. Wozu man auch mal zu Folter greift. Hierzulande sind sich die Medien noch nicht ganz einig, was sie von Wikileaks halten sollen. Naja, zumindest die Konservativen. Warum brauchen wir Wikileaks? Für die Pressefreiheit. Viel besser als ich, haben dass die taz, die Frankfurter Rundschau, der Freitag, der Tagesspiegel, Perlentaucher.de, die Berliner Zeitung, netzpolitik.org und das European Center For Constitutional and Human Rights (ECCHR) in diesem Appell getan.
Warum bin ich der Meinung, dass ausgerechnet Wikileaks Unterstützung braucht? Wikileaks liefert Material. Und auch nur das. Nicht mehr und auch nicht weniger[4]. Material für Journalisten. Material, um Journalisten unabhängig zu machen von großen Zeitungsverlagen, hinter denen Konzerne und Politiker stehen. Den sind die Dinge erst mal öffentlich, sollte es für die Verlage eine Freude sein, diese zu analysieren und zu publizieren[5]. Und man kann den Mächtigen zeigen, was man von ihrem Demokratieverständnis hält, wollen sie Wikileaks mit allen amerikanischen Mitteln den Geldhahn zudrehen. Was übrigens die Strategie gegen Terroristen ist. Aber Wikileaks ist kein Terrorist. Sondern Wikileaks ist eine Wahrheit.
Helft mit, das Wikileaks als wichtiger Baustein einer echten Demokratie weiter bestehen kann und erzählt euren Freunden, Verwandten, Eltern, Großeltern, Lehrern und Politikern von der Idee Wikileaks, die Idee freier Informationen, Offenheit und Transparenz! haltet ein Referat in der Schule, vllt. lässt sich ein Seminar in der Uni veranstalten mit einem engagiertem Professor? Informiert euch und andere. Bloggt, malt, zeichnet, singt und erzählt. Und klärt auf, in diesem Infokrieg. Denn wir kriegen nur ungefilterte Informationen über Seiten wie Wikileaks oder Openleaks[23].

Und als letztes: Free Bradley Manning und Fair Trail for Julian Assange!

[4] Und hinter Wikileaks steckt eine Idee. Eine Idee von Julian Assange. Weshalb es nicht nur ein Wikileaks geben darf.
[5] Dies ist viel schwieriger, muss der Journalist zunächst Gelder für die Recherche und zur Verschleierung der Identität des Whistleblowers ausgeben.
[23] Portale wie WAZleaks sind zwar lobenswert, allerdings steht hinter der WAZ eine große Mediengruppe mit Werbekunden und Kontakten zu den Parteien. Ob hier nicht gefiltert wird, darf bezweifelt werden. Außerdem ist es verdammt schwierig eine gesicherte technische Infrastruktur bereitzustellen, welche die Identität einer Quelle auf den verschiedensten Ebenen (bei IP-Verschleierung angefangen) gewährleisten kann. Openleaks ist von einigen Machern von Wikileaks, womit eine Grundqualität angenommen werden kann.

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Was kann ich nur schenken?

Update: Ich möchte hier nicht zum wilden Spenden aufrufen. Spenden ist auch, Dankbarkeit zeigen. Einen Brief schreiben. Einen Kommentar absetzen. Sich für die geleistete Arbeit bedanken. Mitmachen. Auch ist die Liste von Institutionen die ich nenne weder vollständig noch ausreichend. Es soll eher ein Blick über den Tellerrand sein, was man anstatt Dinge zu kaufen, tun kann und ein wenig den Blick auf das Internet lenken und was es zu bieten hat: Über Vernetzung, Austausch, Kommunikation hin zu Kultur und Politik. Im Internet ist vieles frei verfügbar – allerdings stehen dahinter echte Resourcen wie Arbeit und Geld (für Equipment, Server etc).

Bald ist Weihnachten und die Frage steht im Raum: Habt ihr schon alle ein Geschenk?
Jedes Jahr geht dieser Wahnsinn wieder los, Leute rennen wie die Verrückten durch irgendwelche Konsumtempel auf der Suche nach Schnäppchen – denn Geiz ist Geil. Man ist ja nicht blöd. Deshalb wird Jagd gemacht auf Chinesische Billigprodukte, damit der Fernseher nochmal ein paar mm größer wird, oder der Kaffe vollautomatisch in die Tasse rieselt. Lebensfreude steigern, wie es die Werbung suggeriert – und das um jeden Preis. Dabei nützt dieser wahnwitzige Konsum nicht unbedingt was.
Naja, und wem der Konsum nicht ausreicht, spendet dann noch etwas. Vielleicht an Innocence in Danger? Oder an die Deutsche Kinderhilfe? Unicef ist ja schon länger umstritten
Dadurch kommt dann die Frage auf: Wie kann man glücklich werden, wenn man sich sein gutes Gewissen und Glück nicht mehr auf dem üblichen Wege erkaufen kann, Gewissensbisse, wissen-schon? Meine Antwort: Mal den Kopf ein wenig drehen und nach rechts und links schauen.
Es gibt viele Projekte, welche ich unterstützenswert finde. Warum z.B. überteuerte CD’s kaufen mit Künstlern, die im Radio eh die ganze Zeit rauf- und runter promoted werden Weil sie jeder kennt? Ist das nicht das schöne, Dinge zu verschenken, die man noch nicht kennt? Man packt Geschenke aus diesem Grund schließlich auch ein: Um die Vorfreude, die Neugierde zu wecken. Wie wäre es mal mit schöner CC-Musik [1]? Musik, von welcher die meisten Künstler nicht leben können (und wollen), die sie aber machen, weil es ihnen FREUDE bereitet. Womit wir wieder beim Wohlstand wären. Meine persönlichen Empfehlungen gelten hier z.B. aaahh-records.net (besonders Entertaiment for the Braindead), rec72.net und vielen anderen. Eine weitere Möglichkeit, Creative Commons zu unterstützen und damit die Verbreitung freierer Kulturgüter ist z.B. an Creative Commons Deutschland zu spenden oder Podcasts, welche sich mit CC Inhalten beschäftigen [2].
Oder man spendet an seine Lieblingspodcasts [3] und brennt diese auf eine CD. Oder man schaut mal nach einem schönen Film auf vodo.net[6] oder einem (Hör-)Buch [7].

Eine ganz andere Möglichkeit, ist die Spende in die Freiheit. Und bei Pressefreiheit gibt es momentan vor allem mind. eine Organisation, die das Geld gebrauchen kann. Wikileaks. Spenden an Wikileaks kann man, zum Beispiel, über die Wau Holland Stiftung tätigen. Als andere Institutionen (Vereine, Arbeitskreise, Blogs), welche unsere Freiheiten schützen bzw. probieren zu bewahren, kann man z.B. den Chaos Computer Club e.V., Foebud e.V., AK Zensur, netzpolitik.org und viele weitere nennen. Von vielen dieser Organisationen hört man im normalen Alltag wenig, da sie kein Geld für aufwendige Plakat-Aktionen haben. Allerdings sind sie mit viel Engagement, Enthusiasmus und geballter, freiwilliger (Wo-)Manpower dabei, etwas für uns Bürger zu schaffen: Sei es ein gleiches Internet für alle (Stichwort: Netzneutralität), Verhinderung von Zensur, Expertise vor dem Bundesverfassungsgericht (um z.B. die Vorratsdatenspeicherung zu kippen); generell also: Unsere senilen, vor der Rente stehenden Alt-Politikern und den jungen, aufstrebenden Arschkriechern in den Parteien in Sachen Internet und Bürgerrechten auf die Füße zu treten und der geballten Lobby von Unternehmen im Bundestag in die offenen Türen zumindest einen kniehohen Zaun in den Weg zu stellen [8]. Wie wäre es, mal einen Link zu einem spannenden Blog zu verschenken [11][12]? Flattr[13] Guthaben für das Internet zu verschenken, indem man z.B. ein Flattr-Konto einrichtet mit zugehörigem Dauerauftrag? So kann man, für einen bestimmten Betrag im Monat, seine Lieblingsseiten unterstützen [14]. Kurzum: Get ur lazy ass up and do something for YOUR internet!

Nun, man kann hier immer noch über Konsum schimpfen (gerade im oberen Teil), Konsum von Musik, Konsum von Freiheiten. Allerdings ist das Resourcen schonend. Nachhaltig [9]. Mal dem ganzen Event-Rummel entsagen. Den alltäglichen Alltag vergessen. Und Zeit nehmen. Für die ((Ur-)Groß-)Eltern, Geschwister, Kinder und Freunde. Für Museen, Geschichte, (Klein-)Kunst, Theater, Bücher und Nachdenken. Noch ist das alles nicht verboten und exisitert: viele Theater und andere nicht-Event basierte Kultureinrichtungen sterben mangels Geldern aus.

In meinen Augen steigern Musik, Bücher, Informationen und natürlich Bügerrechte den inneren Wohlstand mehr, als der 3. Fernseher, die 5. Küchenwaage oder das 7. Auto. Und innerer Wohlstand für andere (und damit auch für sich) ist das, wonach man – nicht nur an Weihnachten [10] – streben sollte.

Schöne Feiertage!

[1] Wie findet man CC Musik? Einfach mal auf Jamendo schauen. Oder man hört sich mal die pentaMusic Radio Show, Machtdose, phlow oder die Musikpiraten an.
[2] z.B. pentaMusic Radio Show, Machtdose.de, phlow.net, musikpiraten e.v. uvm.
[3] z.B. Küchenradio, Chaosradio (Express), Podcasts des Chaos Computer Club Dresden
[6] z.B. die Serie Pioneer One, dem super tollen Western Remake Snowblind oder dem mehrfach ausgezeichneten The Yes Men Fix The World (peer-to-peer edition)
[7] z.B. Moe Hackett oder Machine of Death
[8] Dafür vielen Dank, btw!!!!!
[9] Gut passt hier ein Lied von David Rovics – „The Commons„:

It’s the commons, our right of birth
And you who would enclose the land all around the Earth
Our future is your downfall, when we cut this ball and chain
You who’d sacrifice the public good for your private gain

[10] (wie es in der globalisierten (und vor allem westlichen) Welt immer mehr der Fall ist),
[11] mit Latex wäre diese Nummerierung nicht passiert
[12] z.B. Fefe’s Blog, Nachdenkseiten, Netzpolitik.org, Stackenblochen.de, Trackback von Fritz, bei letzterem ist vor allem unter der Rubrik „Blogger Privat“ echt interessantes dabei!
[13] extra mal auf einen externen Blick auf Flattr verlinkt
[14] Was manchmal auch anders geht: z.B. bietet die TAZ auch eine Spende per Überweisung (für einzelne Artikel) an.

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